Freitag, 28. Juli 2017

Abartige Ausblicke


Gute 250 Kilometer und ich bin platt wie eine Scholle, gebraten auf dem Teller liegend. Dieses Fleckchen Erde bietet eine derartige Schönheit, dass ich mir momentan nicht sicher bin, ob ich wegen der unzähligen Kehren und Kurvenstrecken wiederkomme oder wegen der atemberaubenden Einblicke in die Bergwelten. Das einzige, das hier fehlt, ist ordentlicher Kaffee. Heute morgen sind wir zeitig los um einem Tipp von Arek für eine gute Tasse umzusetzen. Naja, der Kaffee war die beste Tasse, die wir bisher in Frankreich bekommen konnten, aber die Sucherei in dem überfüllten, verwinkelten Örtchen mit dem Opa, der wortreich über dessen russischen Vater und deutsche Mutter nebst seiner Vorliebe für österreichisches Bier und deutsche Motorräder erzählte, nahm doch einiges an Zeit in Anspruch. Wir hatten uns mit dem Col de Chaussy vor dem Frühstückskaffee aufgewärmt, danach kam der Col du Mollard, weiter zum Col de la Croix de Fer, den wir uns gestern schon gegönnt hatten, dieser wurde dicht gefolgt vom Col du Glandon. Also bei aller Liebe, dieses Col-Feuerwerk kann sich doch keine Frau merken.

Donnerstag, 27. Juli 2017

Wunderbare Begegnungen

Ich bin in Frankreich. An und für sich eigentlich nichts Besonderes, war ich doch schon das eine oder andere Mal in diesem Land.  Kurzfristig. Als Stipvisite sozusagen. Dieses Mal jedoch bin ich in Saint Jean de Maurienne, knappe 930 Kilometer von zu Hause entfernt. Wie kommt es, dass ich mich hier herunten herumtreibe? Nun ja, es war eher eine Spontanentscheidung, nach dem Erzgebirge musste die Tigerin neue Pellen bekommen und zum 20 000-er Service – was sein muss muss sein. Axels restliche zwei Urlaubswochen waren aufgrund dieses Zwischenstopps zu Hause noch nicht verplant und so sind wir hier – inmitten einiger der schönsten Pässe, die es in dieser Gegend gibt. Ich war noch nie selbst hier, lediglich Fotos von Einzelnen der V-Tourer-Truppe haben Appetit und Eindrücke geliefert. Ich hatte keine Ahnung, wie es hier in natura aussieht, es ist in Fotos nicht wieder zu geben, das schon einmal vorneweg. Die erste Vorfreude auf die kommenden Tage brach so ca. 100 Kilometer vor dem Hotel „Ibis Buget“ massiv durch. Felsformationen, Berggipfel – ich meine wirkliche Berggipfel und nicht die weichgespülten Hügel meiner Wohngegend – nebst Schluchten verhinderten die letzte Möglichkeit, etwas die Augen nach dem fünfuhrmorgendlichen Aufstehen um fünf Uhr zuzumachen. Die letzten einhundert Kilometer, normalerweise die Horroretappe einer jeglichen Anfahrt über 400 Kilometer – ziehen sich, im Regelfall! Diesmal konnte ich mich an dem gebotenen Panorama nicht satt sehen – Axel hatte erneut das Steuer des Gespanns übernommen, da meine Augen auf Halbmast hingen, und die Fotokamera kam fleissig zum Einsatz. Ade Schlaf, alles ist gerade furchtbar spannend! Nach guten 12 Stunden Reisezeit war zunächst einmal Zimmerbelegung angesagt und vor allem das Sortieren des persönlichen Krams in dem doch arg beengten Raum. Madame V-Strom und die Tigerin wurden aus ihren Gurtfesseln befreit, ein weiterer der Automatikgurte hat es jetzt wie drei seiner Kollegen hinter sich und ist in der Tonne gelandet. Auto und Anhänger wurden geparkt und die Suche nach einer passenden Futterstelle hatte den ersten Abend hier völlig in Beschlag genommen. Das darf auch so sein. Reisen bedeutet auch … ankommen, sein Ziel zu erreichen - das gehört nunmal dazu.

Freitag, 21. Juli 2017

Ready to fly

Es geht heimwärts und wir haben das Routingtool "Kurviger" wieder mit der Planung der Reiseroute beauftragt, die gelieferten Tourvorschläge der letzten Tag im bisher unbekannten Erzgebirge hatten sehr überzeugende Ergebnisse geliefert. Um 9:00 Uhr morgens hieß es "Start your engines" und wir rollten - wieder voll bepackt - vom Hof der Jugendherberge Sayda. Vom Hinweg erinnerte ich mich an die ätzenden, langweiligen - nein -  todlangweiligen Schnurgeradeauskilometer, die wir mit stoisch gespielter Gleichgültigkeit abgespult hatten. Deshalb fuhren wir in schöner Streckenführung Richtung Chemnitz, dort "gönnten" wir uns ca. 75 Kilometer auf der Autobahn um den Geraden weitesgehends entgehen zu können - wenn schon schnurgerade aus, dann aber bitte möglichst schnell. Tempotaten der Tigerin auf knapp unter 130 Kilometer pro Stunde gestellt und meine Katze trug mich gegen Südwesten.  Ab Abfahrt Dosenbahn entpuppte sich die vorgegebene Routenführung nach Lauterbach in Hessen als Feuerwerk des fahrerischen Genusses - kleine Walddurchfahrten, weite Bögen durch Panoramalandschaften, schmucke Dörfer, Forstwege als Notumleitung - ey, eine Tigerin ist doch Bestandteil der land- und forstwirtschaftlichen Umgebung... nie wurde es mir langweilig.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Geburtstage, Storm- und Stonechaser

Heute ist mein Geburtstag. Oder anders rum gesagt, schon wieder ein Jahr rum. Standesgemäß verbringe ich auch diesen Geburtstag auf dem Motorrad, die letzten Jahre habe ich mich immer in den Sattel geschwungen und wech‘ war ich. Für mich die schönste Art, diesen Tag zu verbringen, mit der Tätigkeit, die ich über alles liebe – ein brummelnder, schnurrender Motor unter mir und die weite Welt vor mir. Irgendwo dort am Horizont, dort werde ich landen. Dieses Jahr bin ich das erste Mal mit der Tigerin im Urlaub unterwegs, die Katze macht einen irrsinnigen Spass. Die Hände liegen ganz locker am Lenker, die Beine kleben am Tank, die Hüften malen den Straßenverlauf nach – es ist ein Tanz auf dem Asphalt, der jeden Tag aufs neue beginnt, möge er unendlich dauern – wenigstens bis zum kommenden Abend. Kehre um Kehre, Kurve um Kurve, Abzweig um Abzweig – hier bin ich, hier lebe ich – nur ich und diese Maschine. Glück pur und das seit nunmehr knappen 20 000 Kilometern – seit dem ersten September 2016.